Mekong Delta: eine Reise zu den schwimmenden Märkten

Meine Erwartungshaltung gegenüber Vietnam war ein bisschen ungerechnet verteilt. Ehe ich die Reise dahin antrat, war der Norden für mich das Größte und der Süden das Stiefkind. Warum kann ich gar nicht so genau sagen. Ich vermute, dass es an den großartigen Bildern der Halong Bucht und der Lampions in Hoi Ann lag. Im Nachhinein zu unrecht, wenn ich mir so meine Bilder aus dem Mekong Delta ansehe. Denn da sehe ich mich mit breitem Grinsen in einem Boot sitzen, mit einem tollen asiatischen Hut auf dem Kopf, während eine kleinen Vietnamesin mich und meine Mitfahrer durch einen Flussarm im Mekong Delta Gebiet rudert. Was das Mekong Delta so zu bieten hat, das verrate ich dir heute.

Ausflug ins Mekong Delta gesucht

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Saigon ist laut. Groß. Wild, aber auch schön und natürlich. Die Moderne spielt mit der trostlosen Wirklichkeit, die die Stadt ebenfalls ausmacht. Saigon ist am schönsten, wenn man es mit Unterbrechungen genießen kann. Eine mögliche Unterbrechung bietet ein Ausflug ins Mekong Delta, das ich neben Saigon unbedingt sehen wollte. Auch, wenn ich bei Ausflugsplanung traurig war, keine Tour bis Angkor Watt buchen zu können. Das lies sich mit Single Entry Visa nicht realisieren. Den berühmten schwimmenden Markt wollte ich dennoch erleben und so ging es ins Reisebüro. Sinh Travel stand als Tipp im Reiseführer und wurde uns auch vom Hotel empfohlen. Schaue ich mir heute die Bewertungen auf Tripadvisor dazu an, weiß ich nicht, ob ich es dir empfehlen kann. Bei meiner Tour mit diesem Anbieter – wohlgemerkt 2010 – war ich sehr zufrieden damit. Als ich bei Sinh Travel stehe, muss ich nicht die Qual der Wahl befürchten. Tatsächlich gibt es nur einen Ausflug mit einer Übernachtung der angeboten wird. Für eine Tagesfahrt ist Can Tho zu weit von Saigon entfernt und so ist die Tour schnell gebucht. Mit 29 Dollar inklusive Busfahrt, Übernachtung, Frühstück und Snacks sowie einem Mittagessen ein echtes Reiseschnäppchen. Zwei Tage später soll es los gehen.

Tipp: Du planst Saigon mit Unterbrechungen? Frage im Hotel, ob du einen Teil des Gepäcks während des Ausflugs im Gepäckraum deponieren kannst, das hat bei mir gut geklappt und mir mein Reisegepäck deutlich erleichtert.

Der Ausflug beginnt

Ich bin gespannt auf den Ausflug. Das Prospekt für die Mekong Delta Tour war wenig aussagekräftig und entgegen meiner Gewohnheiten habe ich zu der Tour nicht viel recherchiert. Die Bustour beginnt am Morgen mit einer rund zweistündigen Busfahrt ins Zielgebiet. Die erste halbe Stunde ist der Bus immer noch in Saigon. Ich starre aus dem Fenster und kann die Dimension dieser Stadt nicht so richtig erfassen. Vor der Busfahrt hatte ich das Gefühl dank Stadtplan und guter Orientierung Saigon erfasst und begriffen zu haben. Doch nun stellt sich heraus, dass ich nur einen ganz kleinen Teil der großen Stadt kenne. Hochhäuser, Industrie, Randsupermärkte – all das bleibt dir verborgen, wenn du innerhalb des Zentrum bleibst. Nach und nach lichtet sich das Großstadtgewirr und die Fahrt geht über Landstraßen. Ein paar Spots mit Feldarbeitern auf Reisfeldern bieten wunderschöne Fotomotive. Doch leider fährt der Bus schnell daran vorbei. Keine Chance für einen kurzen Spaziergang oder zumindest einen Fotostopp, wie es mit einem privaten Fahrer oder einem eigenen Road Trip üblich wäre.

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Bootstour und die Frage: Wo sind die Vögel hin?

Schließlich hält der Bus in der Provinz Ben Tre direkt an einem Fluss, der farblich die besten Seiten hinter sich gelassen hat. Darf ich vorstellen: braune Matschepampe. Ich schaue auf das Boot und bin verwundert, warum genau hier eine Touristenfahrt startet. Wohl nur, weil der Flussarm zu dem berühmten Mekong-Fluss gehört. Da der Weg das Ziel ist gehe ich es entspannt an und die Boote sehen recht gemütlich und unterhaltsam aus. Also rein mit mir. Wir düsen los. Ziemlich schnell geht es ins Dickicht. Das Boot schlängelt sich durch kleine Flussarme, die dicht bewachsen sind, und deren dahinter liegende Bepflanzung kaum einsehbar ist, so viel grün gibt es zu sehen. Entspannung macht sich bereit und die Suche nach Tieren beginnt. Ich bin zwar kein Vogelfan, aber irgendwann fällt auch mir auf, dass bei der Fahrt überhaupt kein Tier die Tour kreuzt. Nichts in den Ästen zu sehen. Nichts, dass brütend im Wasser sitzt oder durch den Fluss schwimmt. Wo sind die Tiere? Im Austausch erfahre ich später, dass die komplette Vegetation dieses Gebietes heute noch immer Tiermangel hat. Grund sei der Vietnamkrieg. Die Waffen, die dort gezündet wurden, waren so schädlich, dass sich noch heute nur wenige Tiere ansiedeln. Unfassbar.

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Mittagsbreak und lustige Bootsfahrt

Das erste Ziel ist erreicht und wir kommen zu dem Moment bei dem mein Blog-„Über mich“-Foto entstand: Mittagspause mit Mittagessen. Die Gruppe verteilt sich auf zwei Terrassen. Es gibt Frühlingsrollen zur Vorspeise und die regionale Spezialität Elefantenohr-Fisch als Hauptgang. Der Fisch ist unglaublich lecker und von unserer Gruppe schneller verzehrt als es uns lieb ist. Die Pause ist schön. Oberhalb der Bäume steht die Sonne hoch. Ich sitze geschützt darunter und genießen das Lichtspiel, dass durch den Schatten der Vegetation auf mich fällt. Satt und glücklich geht es nach einer einstündigen Pause weiter. Auf dem Wasser liegen mehrere kleine Holzboote. Ein Boot kann mit einer Vierer-Gruppe beladen werden. Am Ende des Bootes steht eine Vietnamesin, die das Boot im Stehen mit einem Ruder durch den schmalen Flussarm führt. Jeder von uns bekommt einen dieser typischen vietnamesischen Hüte aufgesetzt. Von der Fahrt bekomme ich nur wenig mit. Vielmehr albere ich herum, mache Fotos mit dem Hut und genieße die Bootstour. Nach einer halben Stunde Fahrt heißt es umsteigen auf das nächste Gefährt: Roller mit einem Sitzkäfig. Damit brausen wir in sechser Gruppen durch die Landschaft. Nächster Stopp: Tee und Obstpause und Verkaufsstation für Kokosnussprodukte wie Süßigkeiten, aber auch Salatbesteck und Zahnstocherbehälter. Die Kokosnusspalme wird in dieser Region sehr stark verwendet: Vom Inneren für Getränke oder Süßigkeiten, über die Faser für Seile bis hin zu Kunstwerk und Accessoires aus den Kokosnussschalen. Der Kokosnussverkauf liegt inmitten einer Obstplantage auch diese schauen wir uns kurz an.

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Zeit zu Bett zu gehen

Nach einem Aufenthalt von knapp einer Stunde geht es schließlich zum Bus, der mich ins Hotel bringt. Das Hotel ist OK. Allerdings bin ich froh, nur eine Nacht hier zu sein. Bei dem Preis für die Tour ließ sich wohl mehr nicht erwarten. Einziger Hacken: Bis zum Zentrum Can Thos sind es eine halbe Stunde Fußweg. Nun denn, der Magen ruft nach lecker vietnamesischem Abendmahl. So ziehe ich noch mal los, um schließlich nach einem leckeren Restaurantbesuch voll gefuttert und zufrieden in mein Bett zu liegen.

Das Highlight: der schwimmende Markt

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6 Uhr. Der Wecker klingelt. Nicht meine Zeit – weder im Alltag noch im Urlaub. Aber hopp, auf einem schwimmenden Markt fängt der frühe Vogel den Wurm. Kurz nach 7 steht die komplette Truppe startklar am Bus und gegen 8 Uhr geht’s dann los: Ich klettere in ein Boot und der schwimmende Markt von Cai Rang rückt mit jedem Wassermeter, den das Boot zurücklegt, näher. Die schwimmenden Märkte sind heute kaum noch von Bedeutung. Früher als die Inseln noch nicht mit Brücken und Straßen angeschlossen waren, waren diese Märkte die Lebensader, um Nahrungsmittel zu kaufen und soziale Interaktion zu betreiben. Dennoch ist der Anblick ein faszinierendes Gewusel, das an einen Ameisenhaufen auf dem Wasser erinnert. Schließlich bin ich mittendrin. Ananas-, Bananen-, Melonen-, Durian- und Reisverkäufer sind auf dem Wasser unterwegs. Was welches Boot verkauft, lässt sich schon von einiger Entfernung erkennen, denn auf den Booten sind Stangen mit dem jeweiligen Verkaufsobjekt befestigt.

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Manche Boote sind so voll mit einer Frucht oder einem Gemüse beladen, dass man den Eindruck gewinnt, dass das Boot kurz vorm sinken ist. Oft schauen oberhalb der Wasserlinie nur wenige Zentimeter Boot raus. Der Blick fällt dann auf Bergeweise Ananas, Zwiebeln oder Kohlköpfe. Zwischen den einseitigen Händlern mit den großen Holzkähnen gibt es auch Händler, die ein Sortiment ähnlich der Tante Emma um die Ecke haben, und einige Händler, die zubereitete Speisen anbieten, schippern ebenfalls auf dem Wasser herum. Immer wieder wird erfolgreich Handel betrieben. Geldscheine wechseln den Besitzer und Obst und Gemüse wird hin- und hergereicht oder geworfen. Es passiert so vieles auf dem Wasser gleichzeitig, dass es schwer ist, sich auf nur einen Schauplatz zu konzentrieren.

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Leider ist das Boot meiner Reisegruppe zu groß, um irgendwo anzulegen und etwas zu kaufen. So müssen wir uns damit begnügen das lustige Händlertreiben zu beobachten und da gibt es einiges zu sehen. Viele Boote, die entlang des Wassers manövrieren sind mit alten Autoreifen geschützt, damit im Falle einer Kollision kein Loch im Boot entsteht. Von den Booten aus wird übrigens nicht nur Handel betrieben. Viele Vietnamesen wohnen auf den Booten und so wird hinten verkauft und vorne der Haushalt erledigt. Da wird Geschirr gespült, Wäsche gewaschen oder die Kinder gebürstet.

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Tipp: Versuche bei der Ausflugsplanung ein kleines Boot zu nehmen. Dann kannst du auch die berühmte Pho auf dem Markt essen und bei anderen Booten anlegen und Obst und Gemüse kaufen.

Das Leben am Fluss

Nach rund einer Stunde endet der Besuch auf dem schwimmenden Markt. Für eine Abfahrt Richtung Saigon zurück ist es noch zu früh und so fahren wir noch ein bisschen auf dem Wasser rum, vorbei an Menschen, die am Fluss leben und ihrem Alltag nachgehen. Im Fluss wird sich gewaschen, mit dem Wasser aus dem Fluss wird gekocht. Der Fluss ist zentraler Anker des Lebens. Der Anblick macht ein bisschen sprachlos, denn auch hier ist der Fluss dreckig und wenig ansehnlich. Zudem sind da auch die Toilettenhäuschen, die direkt in den Fluss führen …

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Besuch einer Ziegelei zum Abschluss

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Schließlich erreichen wir das letzte Ziel der Reise: eine Ziegelei. Ich war noch nie in einer deutschen Ziegelei, so dass ich schwer sagen kann, was dort anders ist. Spannend ist jedoch, dass eigentlich ausschließlich die Frauen die Arbeit in der Ziegelei verrichten. Sei es den Transport von der Trockenhalle zur Lagerhalle. Oder auch eine nicht ganz ungefährliche Arbeit: in einem „Raum“ werden die Ziegel gestapelt und getrocknet. Um den Stapel abzubauen, kommt eine Rutsche an den Ziegelhügel und vom Ziegelhaufen schickt eine Angestellte die Ziegel runter. Die arme Angestellte, die die Ziegel unten auffangen muss, hat einen nicht ungefährlichen Job. Ein unachtsamer Moment kann hier ganz schön weh tun.

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Dann ist der Ausflug vorbei. Die Fahrt zurück nach Saigon macht allerdings kein Spaß. Stau ist angesagt und der Bus kommt mit deutlicher Verspätung in der Stadt an. Zeit für ein Resümee: Ich bin mehr als zufrieden mit dem, was es für 29 Dollar pro Person geboten gab und das obwohl ich mich eigentlich meist gegen organisierte Ausflüge wehre und gerne alles individuell erlebe …

Warst du schon mal auf einem schwimmenden Markt? Machst du auf deinen Reisen organsierte Ausflüge mit?

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Reiseaufnahmen

Hallo, ich bin Tanja, quasi das Herz von Reiseaufnahmen.de!

Reisen inspiriert und macht unsagbar glücklich. Wenn du wie ich einem Vollzeitjob nachgehst, weißt du wie selten, kostbar und wertvoll Reiseerfahrungen sein können.

Entdecke hier meine besten Reiseglückstipps sowie alles rund um traumhafte Kurz- und Fernziele. Ich verrate dir, wie du auch mit wenigen Urlaubstagen und ohne Sabbatical die Welt sehen kannst.

Ich freue mich, wenn du mich fortan auf meine Reisen begleitest ...

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