Fährst du noch oder schläfst du schon? Tipps für deine erste Fahrt mit einem Camper

Zelte und ich – wir waren nie Freunde. Und egal wie ich am Budget knauserte, eine Couch oder ein Bett waren immer die Minimalanforderungen bei Unterkünften für mich. Bis eines Tages der Reisetraum Neuseeland greif- und realisierbar wurde. Und so sehr ich bis dahin feste Unterkünfte und Road Trips mit dem Auto liebte, so wurde ich doch hellhörig als ich in vielen Reiseberichten von den Vorzügen der Camper las. Hm, aber würde das passen. Ich und so ein Camper? Ist so ein Ding nicht ganz schön unflexibel – vor allem in Städten? Wie funktioniert so ein Camper? Lässt er sich gut fahren? Warum es sich lohnt einem Camper eine Chance zu geben, vor allem in Neuseeland, und welche Tipps ich für dich habe, dass verrate ich dir heute!

1. Sei fit, wenn du den Camper übernimmst

Ehe „Campi“ – so nannte ich den treuen Gefährten – und ich uns kennenlernten hatten ich einige Tage zum Akklimatisieren in Australien (Sydney) und in Neuseeland (Auckland), das war auch gut so, schließlich liegt Neuseeland am anderen Ende der Welt und eine Reise dahin bedeutet zwölf Stunden Zeitunterschied. Müde ein Auto zu übernehmen ist nie eine gute Idee, bei einem Camper ist die Idee ganz schlecht. Denn wie bei einem normalen Mietwagen gilt es Schäden zu suchen und zu vermerken, aber auch sich Heizung, Toilette, Küche und Co erklären zu lassen.

das erste Mal Camper

2. Plane für den ersten Tag keine zu lange Strecke

Es ist schon eine andere Dimension einen Camper zu fahren. Campi war zwar nur ein großer Kastenwagen, doch selbst ihn zu fahren war zu Beginn ungewohnt. Sei es überholen, Kurven fahren oder Abstände richtig einzuschätzen, das alles ist schon anders als mit einem normalen PKW. Das Fahrzeug und du werdet ein paar Fahrminuten brauchen, bis ihr euch aneinander gewöhnt habt. Ich weiß noch wie verwirrt ich war als die Kissen von den Bänken flogen, der Deckel des Waschbeckens umklappte und das Gepäck fröhlich hin und her rutschte. Beim ersten Campingplatz hieß es dann erst mal alles so zu verstauen, dass die folgenden Fahrttage nicht durch ständige Geräusche von hinten unterbrochen wurden.

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3. Komme bei Tag auf dem Campingplatz an

Wer seinen Campi frisch übernommen hat, der hat erst mal einiges zu tun. Du musst dich mit dem Gefährt vertraut machen: Wie schließe ich den Strom an? Wie funktioniert der Gaskocher? Wo sind die gemieteten Tische und Stühle. Wie baue ich die auf? Muss ich Nachts etwas umbauen? Muss ich etwas sichern? Und außerdem will das Gepäck ja ordentlich verstaut werden, so dass nichts mehr verrutscht. Idealerweise hast du auf dem Weg zum Campingplatz noch gleich einen Einkauf erledigt und alles wichtige für die erste Nacht besorgt: Spülmittel, Schwämme, Salz und Pfeffer sowie Zutaten für Abendessen und Frühstück. Das alles geht dann zwar hoffentlich schneller, als du im Vorfeld befürchtest, doch es schadet nicht, ein bisschen Puffer eingebaut zu haben. Ich musste zum Beispiel Campi am ersten Tag mehrfach umstellen, weil das Stromkabel immer zu kurz war.

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4. Der Tag nach der ersten Nacht

Was wäre, wenn dein Wohn- und Schlafzimmer plötzlich Speed bekommen und davon brausen würden? Würde ziemlich viel Chaos anrichten, oder? Deshalb muss der Camper fahrtüchtig gemacht werden. Ganz schnell tritt da eine gewisse Routine ein, doch den ersten Tag muss einmal alles mitgedacht werden. Ist das Stromkabel gelöst? Muss Wasser nachgefüllt werden? Ist die Gasflasche zugedreht? Ist der Kühlschrank richtig verschlossen? Kann nichts mehr verrutschen? Muss die Toilette gereinigt werden? Habe ich Abfälle, die entsorgt werden müssen? Weil ich ängstlich war, hatte ich im Handy einen Mini-Checkliste zum streichen der erledigten Punkte, das war ganz praktisch und die Fahrt von Anfang an sorgenfrei.

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5. Kläre die Frage: Welche Stellplätze gibt es auf deiner Route?

Für Neuseeland gibt es eine tolle App, die alle Stellplätze inklusive Bewertungen, Fotos und Beschreibungen enthält. Diese kostet zwar 15 Euro, war aber auf der Route gold wert, da ich Ziele sehr spontan anfahren konnte. Mein Tipp: Bereite die Frage, welche Stellplätze es in deinem Zielgebiet gib,t gut vor. Dann fährst du ganz entspannt von einem Ziel zum nächsten und das größte Fragezeichen in deinem Kopf wird die Frage darstellen: Welch tolles Erlebnis bringt mir der heutige Tag?

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6. Genieße deinen Camper von vorne bis hinten

Wenn du mal angekommen bist und dich an alles gewöhnt hast, dann fängt der eigentliche Spaß an! Jetzt kannst du spontan kochen, kommst auch in kleinen Städtchen zurecht und kannst dich wieder auf die Schönheit der Strecke konzentrieren. Was gibt es schöneres als einen tollen Spot zu entdecken, dort halt zu machen, sich dank Gaskocher einen Tee oder Kaffee zu machen und vom Camper aus gemütlich die Landschaft zu genießen? So viele beeindruckende neuseeländische Landschaften verbinde ich in meiner Erinnerung mit Campi-Kaffeemomenten und ich habe jede Sekunde in vollen Zügen genossen.

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7. Freu dich jeden Tag darauf, die Vorhänge zu öffnen

Schließe ich meine Augen, dann sehe ich mich im Campi liegen. Über Nacht schliefen wir direkt am Meer, vor Bergen, in hohem Gebüsch und in vielen anderen faszinierenden Orten. Jeden Morgen freute ich mich wie ein Kind, wenn ich die Vorhänge wieder öffnen konnte und ein neuer Tag an einem neuen Ort anbrach. Ich frühstückte und genoss den Ausblick auf eine neue Kulisse und war voller Freude auf den anstehenden Tag.

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8. Wildcampen ist erlaubt? Mach es!

Campingplätze sind etwas tolles, dort gibt es Strom, du kannst die Küchen und sanitären Einrichtungen nutzen und lernst vielleicht sogar nette Nachbarn kennen. Wild campen hat seine ganz eigenen Vorzüge. Die du zumindest einmal ausprobieren solltest, wenn es in deinem Reiseland erlaubt ist. In Neuseeland erinnere ich mich vor allem an eine Nacht: Zum Eintritt des Thermalgebietes gehörte es, dass Besucher mit Campern mit eigener Toilette (das ist meist die Voraussetzung für wild campen!) die Nacht davor oder danach gratis auf dem Parkplatz stehen durften. Das Thermalgebiet war ziemlich außerhalb, mitten im nirgendwo. Ich glaube, dass ich noch nie so weit weg von anderen Menschen geschlafen habe. Ich war ein bisschen ängstlich, aber irgendwie war es auch toll und ein bisschen so, als wäre die Welt nur für dich da. Nicht ganz so allein, dafür berauschend schön, war ein anderer Platz zum wild campen direkt an einem See mit Seeblick. Von der Stimmung, dem Ausblick und allem, war er einmalig und ein solches Hotelzimmer hätte es schlicht nicht gegeben und auch kein Campingplatz, der hier hätte mithalten können. Deshalb informiere dich, ob wild campen erlaubt ist, zu welchen Bedingungen und wenn möglich, dann mach es!

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Campen mit dem Camper – ein Fazit

Vor der Reise war ich sehr unsicher, ob mir diese Art des Reisens gefallen würde. Im Nachgang bin ich mehr als froh, dass es ausprobiert zu haben und bin schon gespannt, ob ich eines Tages wieder mit einem Camper losziehe. Campen ist kein All Inklusive Urlaub bei dem das Bett gemacht wird und ständig leckeres Essen serviert wird. Statt dessen sind einkaufen, kochen und abspülen genauso angesagt wie Zuhause, ebenso wie Betten machen oder fegen. Dennoch war die Erholung mehr als ausreichend. Die Nähe zur Natur, der phänomenalen Landschaft Neuseelands war durch die Tour mit dem Camper teils so intensiv, wie ich es mir nicht hätte im Vorfeld träumen lassen. Hinzu kommt, dass ich dank des Campis „lockerer“ Reisen konnte als sonst. Ein Stellplatz findet sich immer irgendwo. Vielleicht mit ein bisschen suchen, vielleicht nicht perfekt oder super günstig, aber irgendeinen wird es schon geben. Deshalb konnte ich die Routen immer sehr flexibel und nach Lust und Laune gestalten. Ein Vorteil zum Hotelzimmer, den ich sehr zu schätzen wusste. Ganz günstig war diese Art des Reisens nicht, zu mal ich ein neueres Modell hatte, dass auch noch eine Toilette und eine Dusche hatte. Aber gelohnt hat es sich absolut und ich bin schon gespannt, wann ich wieder einmal in einem Camper sitze.

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Was sind deine Camper Erfahrungen? Warst du schon mal mit einem Camper unterwegs?

 

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Reiseaufnahmen

Hallo, ich bin Tanja, quasi das Herz von Reiseaufnahmen.de!

Reisen inspiriert und macht unsagbar glücklich. Wenn du wie ich einem Vollzeitjob nachgehst, weißt du wie selten, kostbar und wertvoll Reiseerfahrungen sein können.

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13 Kommentare

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  • Hallo Tanja,
    ein großartiger Artikel.
    Ich war zwar mit einem Van unterwegs, aber ich kann Dir da trotzdem in allen Punkten zustimmen!
    Neuseeland ist einfach traumhaft und meiner Meinung nach am allerbesten mit dem Camper zu bereisen.
    Grüße
    Steffi

  • Hey Tanja.

    Wir waren schon in Nordamerika unterwegs und deine Tipps kann ich nur unterstreichen.
    Wie recht du hast! Es ist einfach ein unvergessliches Abenteuer so mitten in der Natur zu übernachten.
    Und der Artikel steigert gerade meine Vorfreude auf Neuseeland. Vielen Dank!

    Viele Grüße
    Tanja

    • Hallo Tanja,

      hach, wie schön, dass du diese Reise noch vor dir hast. Du wirst sie bestimmt genauso lieben wie ich. Genieße die Vorfreude!

      Ging es gut in Nordamerika? Ich war ja bisher nur einmal mit dem Campi unterwegs.

      Alles Liebe
      Tanja

  • Ich war noch nie mit einem solchen Camper unterwegs, aber als Kind öfter mit meinen Eltern im Wohnwagen. Der ist zwar nicht ganz so handlich wie wenn alles in einem Gefährt zusammengefügt ist, hat aber auch seine Vorteile. Ich empfand solche Urlaube immer als viel spannender als im Hotel, man bekommt die Umgebung und die Natur viel besser zu spüren. Nach deinem Blogartikel bekomme ich jetzt auch richtig Lust auf eine Reise im Camper – gibt es die auch zu mieten für einen einzigen Urlaub? Hättest du da vielleicht eine Empfehlung für mich?

    • Hallo Selina,

      ich hatte den Camper bei FTI gemietet. Die Kosten waren nicht so billig (damals etwa 3.500 Euro für 23 Tage), aber das war es auf jeden Fall wert. Vor Ort hätte man einen auch gebraucht kaufen können oder einen günstigeren, älteren oder kleineren mieten können. Da der Trip meine erste vierwöchige Reise war, haben mein Partner und ich uns entschieden uns das zu gönnen.

      Mit dem Natur und Umgebung spüren hast du so recht, damit hätte ich am Anfang gar nicht gerechnet und war sehr froh, dass ich mit über 30 diese Erfahrung endlich gemacht habe.

      Viele liebe Grüße
      Tanja

  • Hallo Tanja, meinen größten Respekt hast du, so einen Camperurlaub alleine durchgezogen zu haben. Ich war in Afrika mit dem eigenen Buschcamper und in den USA, Australien und letztes Jahr in Frankreich auch schon mit dem 4*4 Camper oder WoMo unterwegs und bin das Ding natürlich auch gefahren. Manchmal war ich aber doch ganz froh, den Mann an meiner Seite gehabt zu haben. Gerade beim Wildcampen wird mir schnell mulmig.
    Aber die Flexibilität ist schon unschlagbar und die Möglichkeit mitten in der Natur zu Verweilen und doch sein sicheres Häuschen dabei zu haben. Ich bin schon irgendwie Camperfan, zeitweise muss aber auch eine andere Art des Reisens wieder sein, manchmal nervt die ewige Kocherei und Stellplatz Suche gewaltig.
    Grüße
    Eva

    • Hallo Eva,

      oh je, ich mag die ich-form total gerne für die Texte, weil sie meine Gefühle und Gedanken beschreiben, tatsächlich war auf der Reise aber mein Partner dabei, der auch die meisten Fotos gemacht hat. Ich bin so ein Auto-Schisser, dass ich noch nie im Ausland mit dem Mietwagen gefahren bin :-( Ich hab also allen Respekt vor dir. Ich bin nicht mal auf absolut leerer Neuseeland-Strecke ans Lenkrad des Campers.

      Du hast ja schon tolle Ziele mit Campern bereist … Australien würde ich auch soo gerne mal mit einem Camper bereisen!

      Ich bin mal gespannt, wann ich wieder mit einem Camper fahre. Hätte jetzt gerade schon Lust darauf. Einfach nur auf das Camperfeeling … hatte jetzt ja aber auch wieder einige Verwöhnurlaube mit Tansania und Malayisa und Andalusien …

      Alles Liebe
      Tanja

    • Oh, berichte dann unbedingt mal wie es in Schweden oder USA damit war! Schweden würde mich ja auch reizen … USA bin ich zu sehr gewonnt mit einem Mietwagen rumzubrausen …

      Liebe Grüße
      Tanja

  • Hi Tanja,
    oh Mann, jetzt hab ich heftiges Fernweh gerade… Ich möchte UNBEDINGT eines Tages auch nach Neuseeland für 4 Wochen. Eine Freundin hat mir kürzlich ihr tolles Fotobuch von ihrer Reise gezeigt, jetzt dein toller Bericht… Aaah! :-) Allerdings sind die Kosten für solch eine Reise schon fast eine Investition, da heißt es erst mal sparen.
    Ich würde diese Reise auf jeden Fall auch mit einem Camper machen! Wir waren 2014 mit einem größeren Wohnmobil im Westen Kanadas und USA Yellowstone NP unterwegs – ein absoluter Traumurlaub mit intensiven Natur-Erlebnissen!! In Canada habe ich mich wirklich verliebt und möchte unbedingt nochmal hin. Unser Traum ist es, uns mal einen eigenen Camper anzuschaffen und dann viele tolle Trips in Deutschland und Europa zu machen. Um zu testen ob das genau unsers ist, wollen wir uns erst mal einen Camper mieten und dann z.B. in die Normandie fahren. An der bildschönen Atlantikküste gibt es bestimmt atemberaubende Stellplätze :)

    Liebe Grüße
    Kathi

    • Hallo Kathi,

      kann ich gut verstehen, bei Neuseeland bekomme ich auch immer heftiges Fernweh! :-) Kürzlich war ein Kollege von mir sogar nur für 2 Wochen, weil er so unbedingt wollte. Mit der Investition hast du Recht, meine Reise lag damals bei knapp über 4.000 Euro. Allerdings hatte ich mir auch ein paar Sachen gegönnt, die man hätte billiger machen können (zumindest Camper mit eigener Toilette).

      Ein eigener Camper klingt traumhaft – seid ich damit unterwegs war, bin ich ganz begeistert von dieser Art zu reisen :-)

      Liebe Grüße
      Tanja

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