Mecklenburgische Seenplatte: 48 h mit dem Hausboot unterwegs

Die Mecklenburgische Seenplatte steht seit Jahren auf meiner Bucket Liste. Eine klare Vorstellung von ihr hatte ich nicht. Ich kannte nur ihren Ruf, der ihr vorauseilt, und wusste, dass es wunderschön dort sein soll. Überraschenderweise steht dieses deutsche Ziel als Sehnsuchtsziel bei vielen Reisebloggern auf der Bucket Liste. Das hat zumindest eine Reisenacht ergeben, bei der auf Twitter die Frage erörtert wurde: „Wohin in Deutschland möchtet ihr Reisen?“ Einen kompletten Guide zur Mecklenburgischen Seenplatte kann ich dir leider nicht liefern, dazu war ich selbst zu kurz da. Aber solltest du mal ein Hausboot leihen wollen, dann kann ich dir jetzt Tipps für eine führerscheinfreie Fahrt – also ohne Sportsbootführerschein – mit dem Hausboot von Rheinsberg nach Neustrelitz mit einer kurzen Vorstellung der Ziele geben. Ich bin sehr dankbar, dass ich diese Tour in der Ostervorwoche starten durfte und der Reiseherzschmerz, der mich danach überrollte, war ein Zeichen dafür wie glücklich ich auf dem Wasser – meinem Sehnsuchtsding – war. Und jetzt alle Details!

Ankunft beim Hausboot

Dunkle Wolken liegen über der Marina Wolfsbruch. Dem Hafen in dem die Le Boat Hausboote liegen. Eines – die Vision 3 – ist für die kommenden drei Nächte „unser“ Hausboot. Doch wer sind wir? „Wir“ sind eine Karlsruher Blogger Truppe, die gerne unregelmäßig etwas zusammen unternimmt. Wie wir etwa gemeinsam im Garten einer Bloggerin blau gemacht haben, dass habe ich dir schon erzählt. „Wir“ sind in diesem Fall folgende Blogs: Get on Board, Schöner Tag noch, Pötit, Das wunderbare Leben und die Raumgestalterin. Von sieben Crewmitgliedern, sind fünf führerscheinfrei, was den Sportsbootführerschein angeht.

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Oh nein, ein Auslaufverbot

Unser Hausboot ist wunderschön. Mit vier kleinen, identischen Kabinen sowie einer großen, modernen und gemütlichen Sitzküche. Das Boot ist extra von Le Boat für die Gäste entworfen und gebaut worden und entspricht so vielen Bedürfnissen, die ein Hausbooturlaub mit sich bringt. Unser Anreisetag an die Mecklenburgische Seenplatte steht allerdings unter keinem guten Stern. Denn nach der Freude über das tolle Boot folgt eine deprimierende Info: Statt fröhlich „Leinen los“ zu rufen, heißt es: Alle Mann im Hafen bleiben. Denn ein Unwetter sorgt für ein Auslaufverbot aller Hausboote. Daher wurde aus meinem geplanten 72 Stunden Hausboot-Beitrag, nun auch ein 48 Stunden-Tipp. Empfehlen kann ich dir nur, was ich auch selbst erlebt habe.

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Auf zum Rheinsberger Schloss

Nachdem wir uns mit unserem Hafenschicksal angefreundet haben, ist klar, dass wir unser gemütliches Hausboot verlassen müssen, um auf dem Landweg etwas von der Region zu sehen. Schließlich ist unsere Zeit vor Ort mit drei Nächten sehr begrenzt. Also entscheiden wir uns für einen Landausflug nach Rheinsberg zu dem dortigen Schloss. Tendenziell bin ich ja nicht so der Museums- und Schlösserfan. Aber das Rokkoko Schloss von Rheinsberg hat ganz schön Charme. Die hellen Gelbtöne strahlen mit der Sonne um die Wette und die Parkanlage lädt zum Flanieren und entspannen ein. Es ist einer dieser Orte, die einen gleich mit glücklichem Urlaubsfeeling verwöhnen. Wobei wir auch sehr Glück haben, da wir das Schloss zur goldenen Abendstunde zu besuchen und ein wunderschönes Licht erwischen.

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Restauranttipp: Gegenüber vom Schloss befindet sich das Restaurant Ratskeller. Es hat einen schönen Innenbereich sowie eine Außenbestuhlung. Für draußen ist es zu kalt, also setzen wir uns rein. Unsere Gerichte schmecken alle gut – von den vegetarischen Kartoffeln, über das klassische Schnitzel bis zum Hirschragout oder -braten. Solltest du also mit dem Hausboot hier anlegen, dann kann ich dir einen Besuch des Restaurants wirklich empfehlen.

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Leinen los am zweiten Tag

Es ist Gründonnerstag. Wir drücken die Daumen, dass wir heute auslaufen können. Ich hatte am Abend noch einen Lagerkoller. Auf einem Hausboot zu schlafen, das nur an Land fest macht, das ist nichts für mich. Als wir Aufstehen herrscht noch immer Unklarheit darüber, ob die Fahrt heute erlaubt werden wird. Gerade dieses ungewisse Gefühl machte mich am Vorabend panisch. Wir sitzen noch beim Frühstück in unserer äußerst schicken Hausboot-Küche, als ein Le Boat Mitarbeiter kommt und uns verkündet: Auslauferlaubnis! Juhuu! Wir machen uns sofort startklar für eine gemeinsame Einweisungsfahrt mit ihm und dann kann unsere Tour losgehen. Vorgenommen haben wir uns eine Fahrt zum Rheinsberger Schloss, dann wollen wir über die Kanäle und Seen bis Neustrelitz und wieder Retour.

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Die Einweisungsfahrt

Nur zwei Mitfahrer haben Hausbooterfahrung. Der Rest ist was eine führerscheinfreie Hausboottour angeht noch unschuldig und unerfahren. Eine weitere Mitfahrerin hat vom Segeln immerhin noch einen Bootsführerschein. Nautische Grunderfahrung ist also an Bord vertreten, wenn auch das Wissen zu unserem aktuellen Hausboottyp fehlt. Antworten zum Thema „Das erste Mal Hausboot“ findest du übrigens demnächst ebenfalls hier. Die Einweisungsfahrt geht los. Bei ihr lernt der Kapitän das Boot, die Steuerung und die Technik kennen. Selbst unser Hausbooterfahrener Kapitän ist bisher nicht mit einem Hausboot in dieser Größe gefahren. Die Vision 3 auf der wir uns befinden ist immerhin fast 15 Meter lang und 5 Meter breit. Bei der ersten Fahrt heißt es Leinen los und die gut gefüllte Heimat – die Marina Wolfsbruch mit vielen weiteren Booten – zu verlassen. Das Boot fährt bis zur ersten Wendemöglichkeit, dann geht es zurück zur Marina. Diese Einweisungsfahrt dauert etwa eine halbe Stunde, so dass wir gegen halb elf zu unserer ersten Fahrt ohne Begleitperson, nur mit der Hausboot-Crew, aufbrechen können.

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Es geht los

Jetzt liegt die Verantwortung bei unserem auserkorenen Kapitän, der seine bisherige Hausbooterfahrung auch schon verbloggt hat. Die Kleinseenplatte im Gebiet der Mecklenburgischen Seenplatte, die wir als Fahrtziel gewählt haben, besteht aus vielen Kanälen und Seen. Sucht man nach Tipps in der Region, dann wird auch gerne vom Gebiet der 1.000 Seen gesprochen. Los geht die Tour mit einer Fahrt nach Rheinsberg. Für alle Bootsneulinge, gibt es hier die erste Herausforderung: eine kleine, schmale Brücke, die mit großen Booten sehr vorsichtig und langsam zu befahren ist. Unser Boot passt durch, doch rechts und links dürften nicht mehr als 50 cm Platz jeweils sein. Wer die Brücke passiert hat, wird belohnt mit dem ersten Blick auf die Weite des Grienericksees, der nur einer von vielen Seen auf dieser Fahrt ist. Es ist ein majestätisches Gefühl sanft bei etwa 12 Stundenkilometern über das Wasser zu gleiten, das Land an sich vorbeiziehen zu sehen und die Ruhe und Kraft des Wassers zu spüren. Ich fühle direkt wie bei mir Entspannung und Zufriedenheit einsetzt.

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Wieder das Rheinsberger Schloss

Unser Ziel: das Rheinsberger Schloss, das wir schon am Vorabend besucht haben. Dieses möchten wir vom Wasser aus fotografieren. Das klappt – wenn auch mit Bewölkung ganz gut. Doch dann macht das April-Wetter mit uns was es möchte. Kaum geht es ans Anlegen kommt ein Schnee-Hagel, der es in sich hat. Doch wir müssen anlegen, denn unsere Bordküche braucht noch ein paar vergessene Dinge wie Pfeffer oder Frischhaltefolie. Nach dem Einkaufen fahren wir weiter, unsere erste Fahrt ist übrigens geprägt vom erweitern unserer nautischen Fähigkeiten. Denn beim Anlegen will unser großes Boot vorne und hinten festgemacht werden. Dazu muss man wissen, das die Leine bei Ringen am Steg immer von unten nach oben durch gewickelt wird. Auch lernen wir wie ein Knoten geht, der das Boot auch hält. Tatsächlich ist das alles ganz einfach und klappt auf der Fahrt immer reibungslos.

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Im Schleusenfieber

Gegen halb eins sind alle Einkäufe an Bord. Das Essen für die nächsten zwei Tage ist sichergestellt. Jetzt geht es richtig los. Ein Blick auf die von Le Boat zur Verfügung gestellte Seekarte verrät uns, dass wir vier Schleusen, einige Seen und viele Kanäle bis zum Ziel Neustrelitz haben. Wir müssen uns sputen – so gut das bei etwa 12 km/h Maximalgeschwindigkeit geht – denn um 17:45 Uhr soll in der gerade eröffneten Saison die letzte Schleuse schließen. Die Schleusenzeiten kann man den jeweiligen Schleusen entnehmen, beim jeweiligen Hafenmeister erfragen, der aber oft nur die Schließzeit seiner Schleuse kennt, oder im Internet auf der Seite von Elwis nachlesen. Nach etwa einer halben Stunde erreichen wir die erste Schleuse. Die Selbstbedienungsschleuse in Wolfsbruch. Es ist die einzige Schleuse bei der fast die komplette Crew mithilft, um sicherzustellen, das beim ersten Schleusen auch wirklich alles klappt. Ab da benötigt es nur noch den Kapitän, sowie einen Helfer für vorne und einen für hinten. Im Gegensatz zum an Land anlegen, wo je zwei Helfer benötigt werden. Das Schleusen klappt besser als erwartet und wir haben auf Grund der Nebensaison das große Glück, dass wir fast alleine bei den Schleusen sind. Im Sommer kann es bei starkem Bootsverkehrt schon mal Wartezeiten von über einer Stunde geben. Sobald die Sonne scheint macht das Schleusen viel Spaß. Man sieht wie sich das Boot langsam senkt oder hebt und wird so manches mal von neugierigen Zuschauern beäugt. Es ist ein komisches Gefühl, beim Schleusen beobachtet zu werden. Ich weiß nicht wie oft ich in der Vergangenheit schon Boote beim Schleusen beobachtet habe. Jetzt stehe ich selbst auf einem Boot, die Leine in der Hand, und habe Zuschauer, die mir dabei zuschauen. Ein wahr gewordener Reisetraum!

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Eine Bootsfahrt, die ist schön

Gut vier Stunden fahren wir über verschiedene Kanäle und Seen sowie die weiteren Schleusen Strasen und Wesenberg auf der Mecklenburgischen Seenplatte. Zu Beginn sitzt die komplette Crew an Deck. Die Sonne scheint. Das verrückte Aprilwetter macht Regenpause und schenkt uns eine lang anhaltende Wolkenlücke, die die Sonne auf uns scheinen lässt. Das Licht, das auf unser Sonnendeck fällt, gibt uns eine Vorstellung davon, wie eine Hausbootfahrt im Sommer sein muss. Ich kann mir ganz wunderbar vorstellen, auf einem der Seen mit dem Boot festzumachen und ins Wasser zu springen … Im Anschluss dann ein kühles Getränk aus dem Sonnendeckkühlschrank und gemeinsames Grillen mit dem eingebauten Grill. Doch bei den etwa 5 Grad sitze ich dick eingepackt auf Deck, halte die Nase in die Sonne und versuche den Wind zu ignorieren. Ich beobachte vorbeiziehende Schilffelder und kleine Floße, die an Land liegen und nach Sommer und Erholung aussehen. Die Landschaft ist noch sehr herbstlich, kein junges Grün ist an den Bäumen zu sehen. Dennoch kann ich mir vorstellen, wie schön die Mecklenburgische Seenplatte sein muss, wenn sich das Grün heraus gekämpft hat. An Land gibt es immer etwas zu beobachten, mal eine schöne Kulisse, mal tolle Backsteinhäuser. Wir fahren an einem tierischen Hof mit Lamm, Hund, Kuh und allem drum und dran vorbei. Über uns kreisen die Vögel und immer wieder heißt es ducken, weil wir unter einer Brücke durchfahren. Als schließlich doch eine große Wolke kommt und die Sonne verdeckt heißt das vor allem für die weibliche Besatzung: Nichts wie unter Deck, zum Aufwärmen in unserer schöne Küche.

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Overnight in Wesenberg

Gegen 17 Uhr erreichen wir Wesenberg. Da es zur Schleuse Voßwinkel vor Neustrelitz noch mal ca. 40 Minuten Fahrt sein sollen, entscheiden wir beim Wasserwanderrastplatz Wesenberg (Stadthafen) festzumachen. Dieser hat einen idyllischen Steg und ist von zauberhafter Natur umgeben. Wir haben das Glück dort alleine zu liegen. Insgesamt gibt es in der Hochsaison bis zu 12 Liegeplätze. Fast direkt am Anleger ist die Burg Wesenberg aus dem 13. Jahrhundert zu finden. Im 19. Jahrhundert bis auf Reste des Burgturms und der Stadtmauer zerstört, findet sich dort heute ein begehbarer Burgturm sowie kleine Museen zum Beispiel mit Bildern der Region. Außerdem auch die dortige Touristeninformation bei der es leckere regionale Köstlichkeiten gibt. Mir hat es besonders die heimische Bratapfelkonfitüre angetan. Aber auch der heimische Honig war sehr gut. Der Ort selbst ist wirklich klein, aber beschaulich. Wir gehen nach der Burgturmbesichtigung noch den Marktplatz anschauen und kehren dann aber schnell wieder zum Boot zurück. Schließlich wird es Zeit für Abendessen in unserer Bordküche.

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Der Abend und die Nacht auf dem Hausboot

Wir alle sind überrascht wie müde wir Abends in unserer Küche sitzen. Bis das Essen gekocht und serviert ist, sind wir noch recht fit. Doch sobald das Essen vorbei ist, sitzen wir müde da und die Unterhaltung fährt auf ein Minimum zurück. Die ungewohnte Frischluft und die aufregenden Erlebnisse des Tages fordern ihren Tribut. Vielleicht auch besser so. Denn unsere selbst festgelegte Frühstückszeit liegt bei 8 Uhr, um früh in den Tag zu starten und viel zu erleben. Da schadet es nicht, rechtzeitig in die Kabine zugehen. Die Nacht ist übrigens der einzige Moment, der für mich absolut gegen eine Bootsfahrt in der Nebensaison spricht. Schaltet man Nachts den Generator aus, fällt zu unserer Zeit die Temperatur auf bis zu vier Grad am Morgen herunter. Das macht das Aufstehen fast unmöglich und den Kleiderwechsel ziemlich unangenehm. Einzig wärmer ist das Kabinenbad, da es nicht so schnell auskühlt. Eine Nacht versuchen wir mit dem heizenden Generator zu schlafen. Doch dieser ist recht laut und stört den Schlaf. Wenn du also wie ich sehr kälteempfindlich bist, dann mache eine Hausbootfahrt zwischen Mai und September. Im April und Oktober können die Nächte einfach zu kalt sein.

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Auf nach Neustrelitz

Der Karfreitag: Die Küche in unserem Hausboot steht einer heimischen Küche in nichts nach. Nachdem wir unsere aufgebackenen Brötchen, Obstsalat und Co. gegessen haben, heißt es gegen 9 Uhr Abfahrt. Es ist unser zweiter und schon letzter Tag auf der der Mecklenburger Seenplatte. Wir wollen einiges an Strecke machen, zuerst geht es nach Neustrelitz, dann zurück zur Marina Wolfsbruch. Die Schleusen müssen wir bis halb sechs passiert haben, weshalb Tempo angesagt ist. Das Wetter spielt anfangs leider nicht mit. Dunkles grau ist die bestimmende Tagesfarbe am Morgen, so dass nur der Kapitän und ein Steuermann oben an Deck sind, der Rest fühlt sich in der gemütlichen Küche wie auf einem Fahrgastschiff. Nur zwischendurch müssen immer mal wieder kurz zwei Helfer den warmen Bootsbauch verlassen, um beim Schleusen zu helfen.

In Neustrelitz

In Neustrelitz angekommen, hängt uns bereits die Zeit im Nacken. In der halben Stunde können wir wählen, ob wir den sternförmigen Marktplatz oder den Schlosspark sehen wollen. Beides schaffen wir leider nicht. Wir legen am Stadthafen Neustrelitz an. Das Hafenbecken wird eingerahmt von alten Backsteinhäusern und einem alten Getreidespeicher. Wir sind das zweite Boot im Hafen, das andere sieht aus, als ob es über Nacht lag. Nach der Bezahlung der Liegegebühr beim Hafenmeister gehen wir zum Schlossbezirk. Dort gibt es einen schönen Park, eine Schlosskirche, den alten Marstall, den Hebetempel und die Orangerie. Der Spaziergang ist schön, wenn auch die Wolkendecke dicht bleibt. Nach etwa 30 Minuten heißt es wieder „Alle Mann an Bord“, unser Zeitplan ruft …

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Die Fahrt zurück in die Marina Wolfsbruch

Den Weg zum Heimathafen treten wir ohne weitere Unterbrechungen an. Kurz nach der ersten Schleuse auf dem Rückweg kommt auch endlich wieder die Sonne heraus, so dass trotz kaltem Wind immer ein Teil der Crew am Oberdeck sitzt und die Aussicht auf die Mecklenburgische Seenplatte genießt. Jetzt kommt endlich der Moment an dem ich mich ebenfalls mal ans Steuer traue. Und es macht richtig viel Spaß. Mindestens 20 Minuten gebe ich das Ruder nicht mehr aus der Hand und erst eine dicke Wolkendecke und eine kalte Nase bringen mich dann dazu, das Steuer wieder dem Kapitän zu überlassen. Ich bin angefixt und das obwohl ich nicht mal gerne einen PKW fahre … Allerdings ist das auch leicht, wenn man einen erfahrenen Bootsmann die ganze Zeit neben sich hat.

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Was auf dem Wasser sonst noch los ist

Der heutige Fahrtag ist Karfreitag. Es ist deutlich mehr Betrieb auf dem Wasser als noch an Gründonnerstag. Paddler und Kanuten sowie andere Boote begegnen uns viel häufiger. Da haben sich wohl einige für einen Osterurlaub auf der Mecklenburgischen Seenplatte entschieden. Dennoch fahren wir viele Etappen ganz allein auf den großartigen Seen und Kanälen und erreichen eine unglaubliche Tiefenentspannung. Die Schleusen passieren wir mit nur wenigen Wartezeiten, die damit zusammenhängen, das gerade geschleust wird oder Mittagspause ist. So sind wir schon vor 16 Uhr an der letzten Schleuse durch.

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Noch mal das Rheinsberger Schloss

Noch nicht mal vier Uhr? Das ist uns natürlich noch viel zu Früh, um am Abstiegshafen festzumachen. Also fahren wir weiter – noch mal nach Rheinsberg. Die Strecke ist schön und wir beschließen einen Teil der Crew absteigen zu lassen, so dass wir noch ein paar Fotos vom Boot vom Land aus machen können. Ein kurzer Spaziergang an Land zum Schloss führt vorbei am schönen Rheinsberger Ufer. Es entstehen noch mal wunderbare Fotos im Abendlicht und der Landgang fühlt sich fast nach Sommerferien an. Gerade an Land – ohne Fahrtwind – ist jetzt auch richtig warm, da will uns das Wetter wohl den Abschied richtig schwer machen. Nach dem Fotostopp geht es dann schließlich zurück in die Marina Wolfsbruch. Wir legen an und genießen unser letztes Abendessen. Dabei werden die Abreisedetails geklärt. Am letzten Tag heißt es früh aufstehen, denn das Boot muss besenrein und ordentlich verlassen werden. Auch ist das Packen erst am Morgen möglich, da viele Dinge wie Salz, scharfe Messer und Co. noch benötigt werden.

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Rückgabe des Hausbootes

Der Abschiedsmorgen hält das perfekte Wetter bereit. Blauer Himmel und Sonnenschein. Immerhin verleiht das Wetter gute Laune, auch wenn jetzt eigentlich keiner mehr abreisen und das Boot verlassen will. Doch wir sind uns einig. Wir kommen gerne eines Tages wieder, in die Region der Mecklenburgischen Seenplatte sowie auf eine führerscheinfreie Hausboottour.

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Hier noch ein paar hilfreiche Informationen:

Zurückgelegte Entfernungen

Insgesamt sind wir mit unserem Hausboot 101 Kilometer gefahren. Die Kilometer zwischen den Strecken habe ich nicht, dafür ungefähre Zeitangaben.*

Anleger Marina Wolfsbruch – Schleuse Wolfsbruch: 10 Minuten
Rheinsberg – Schleuse Wolfsbruch: 65 Minuten
Schleuse Wolfsbruch – Schleuse Strasen: 35 Minuten
Schleuse Strasen – Schleuse Wesenberg: 80 Minuten
Schleuse Wesenberg – Anleger Wesenberg: 15 Minuten
Schleuse Wesenberg – Schleuse Voßwinkel: 40 Minuten
Anleger Wesenberg – Schleuse Voßwinkel: 40 Minuten
Schleuse Voßwinkel – Anleger Neustrelitz: 50 Minuten

*Auf unserer Route. Je Schleusen ca. 15 Minuten ohne Wartezeit einplanen. Andere Boote, Kanus und Paddler, die in Kanälen kein überholen erlauben, können die Zeiten entsprechen verlängern bzw. führten manches Mal auch zu den hier genannten Zeiten.

Kosten für das Anlegen im Hafen

15 Euro Wasserwanderrastplatz Wesenberg (Stadthafen)
2 Euro Stadthafen Neustrelitz für 3 Stunden
Marina Wolfsbruch für Le Boat Mieter im Preis inbegriffen

Vielen Dank an Le Boat für die Unterstützung meiner Fahrt auf der Mecklenburgischen Kleinseenplatte sowie an die Mecklenburgische Kleinseenplatte Touristik GmbH für die wunderbare Betreuung vor Ort.

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Reiseaufnahmen

Hallo, ich bin Tanja! Reisen inspiriert und macht mich unsagbar glücklich. Meine besten Reiseglückstipps sammle ich für dich: traumhafte Reiseziele, alles zur Reisevorbereitung sowie Reisetipps meine bereisten Ziele. Mehr über meine Lieblingstexte und -ziele verrate ich dir auf meiner "Über mich"-Seite. Ich freue mich, wenn du gefallen an mir und meinen Texten findest und mir folgst.

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9 Kommentare

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  • ach wie schön, das zu lesen war ja beinahe wie noch mal dort zu sein :) du hast echt nix ausgelassen!
    war wirklich toll mit euch! liebe grüße
    anni

    • Hallo Anni,

      ich fand es auch wunderschön. Konnte einfach nichts weglassen, weil es so toll war :-)

      Alles Liebe
      Tanja

  • Oh ja, eine Tour mit dem Hausboot ist etwas wunderschönes. So ruhig und entspannt, die Landschaft zieht vorbei, man hat sei zu Hause auf Zeit immer dabei und kann doch vieles sehen und entdecken. Wir tun’s im Juni schon zum dritten Mal, allerdings auf der brandenburgischen Havel – auch ein schönes Gebiet.

    Toller Bericht, fast als wäre man dabei. Danke dafür!

    • Von der brandenburgischen Havel habe ich auch schon gelesen. Hach, echt toll da oben und so ein Boot ist eine feine Sache!

      Danke für deinen Kommentar!

      Viele Grüße
      Tanja

  • Ach, ich habe unsere Reise gerade noch mal durchlebt – toller Bericht! Und ich will wieder zurück… jetzt mit dem ersten zarten Grün überall ist es da oben doch bestimmt noch schöner, oder?
    Liebe Grüße!

    • Hallo Juliane,

      ich will auch wieder zurück! Schön, dass er dir gefallen hat.

      Liebe Grüße,
      Tanja

  • Danke für den schönen Bericht.
    Mir persönlich fehlen mehr technische Angaben zum Boot bzgl. Fahrverhalten usw. Welche Boote standen im Vorfeld zur Auswahl? Es gibt doch viel mehr Anbieter auf dem Revier wie kunle tour oder bootsurlaub.de usw. Ein Vergleich wäre im Abschluß noch wünschenswert.
    Ich denke oben auf dem Steuerstand bei Regen wäre ein Verdeck wünschenswert.

    • Hallo Robert,

      schön, dass dir der Blogbeitrag gefallen hat. Das mit der Technik habe ich gerne unserem Kapitän Markus überlassen ebenso wie die Entscheidung welches Boot es werden soll. Bestimmt kommt sein Blogbeitrag bald. Ich war ja selbst das erste Mal auf einem Hausboot und der Beitrag soll dazu dienen, sich ein Bild zu verschaffen wie so eine Tour aussehen soll :-)

      Bzgl. des Steuerstands gab es ein Sonnenverdeck, das aber vom Winter noch nass war. Das Boot hätte man aber auch von der Küche unten steuern können. Von daher war glaube ich ausreichend Schutz sichergestellt. Bin aber auch nicht so der Profi darin ;-)

      Bist du schon oft Hausboot gefahren?

      Viele Grüße
      Tanja

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