Wie ich in Lissabon zum Fliesen Fan wurde

Statt grauer Fassaden oder beeindruckenden Hochhäusern glänzt Lissabon mit einem ganz besonderen architektonischen Highlight: Fliesen. Die Muster sind mal absolut bieder und mal völlig irre. Sie machen jeden Spaziergang zu einem wahren Fest für die Augen.

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Lissabon Fliesen: Omas Sonntagsgeschirr war schon vor dir da …

Nordisch anheimelnde blau-blumige Fliesen-Versionen sind hier ebenso zu finden, wie bunte Fliesen-Vertreter in leuchtenden Tönen. Sie zeigen sich in kräftigem grün, mal meeresgleichen blau oder auch verwirrendem rot. Apropos verwirrend: Beim „auf Fliesen starren“ sollte man Vorsicht walten lassen. Die gewählten Muster sind manchmal so psychedelisch und aufregend, dass man schnell oben und unten, rechts und links vergisst und sich nur noch im Rausch der Fliesen befindet. Beruhigend, dass dazwischen immer mal wieder die guten Vögel- oder Blumenmotive auftauchen, die einen so manches Mal schmunzelnd an Omas Kaffeegeschirr zurück denken lassen. Gerne erinnern sie einen auch an die 70er Jahre Küchen, die jedem, der sich auf dem Immobilienmarkt umsieht, begegnen. Und vor denen man normalerweise mit Blick auf die Sanierungskosten die Augen verschließt. Was bei der Suche nach einem Heim ein Graus ist, ist in Lissabon ein wahrer Genuss. Und ein Stück der Charakter der Stadt.

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Lissabon Fliessen: Lauter „kleine polierte Steine“

Auffallend ist, dass die Fliesen in Lissabon häufig erst ab dem 1. Stock beginnen – was ein schönes Foto so manches Mal erschwert – und das fast alle Fliesendekore schon recht betagt wirken – na ja, es eigentlich auch sind. Der recht betagte Look ist übrigens typisch für Lissabon und machte für mich den Charme der Stadt aus. Ein bisschen hat mich dieses marode an Kuba und den Zauber Havannas erinnert. Das glückliche Gefühl, dass mich schon in Havanna beim Anblick der Häuser begleitete, stellte sich beim Bummel durch die Altstadt Lissabons immer wieder ein.

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Doch zurück zu den Fliesen: Das Gesamtdekor der Fliesen an den Wänden nennt man Azulejos. Ein Begriff der auf den arabischen Wortursprung al zulaij zurückzuführen ist und „kleiner polierter Stein“ bedeutet. Eine Bedeutung, die fast schon untertrieben erscheint, wenn man gleich auf mehrere Häuser voller Fassaden mit Azulejos blickt. Ihren Ursprung haben die Fliesendekore aus der Zeit, als die Mauren Portugal besetzten. Heute geht ihre Verwendung zurück und Stadt, Land und Bewohner haben oft nicht das nötige Geld zur Restaurierung – macht aber nix. Denn gerade die abblätternde Farbe und die brüchigen Stellen, zeichnen das Gesamtkunstwerk aus und können der Strahl- und Anziehungskraft der Azulejos keinen Abbruch tun.

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Tipp:

Für den absoluten Fliesenrausch eignet sich das „Museu Nacional do Azulejo“. In diesem Nationalmuseum wird die Geschichte der Fliesen in Lissabon präsentiert. Ein Erwachsenenticket kostet 5 Euro (Stand: März 2014). Ich war nicht drin, weil mir die Zeit zu kurz war. Bei einem Wiederbesuch steht es aber auf meiner Regen-To Do Liste.

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Lissabon ist natürlich nicht die einzige Stadt mit Fliesen. Viele Städte in Portugal und Spanien oder in Afrika sind damit geprägt. Doch hier durften ich das zum ersten Mal sehen und waren begeistert davon. Deshalb wird die Fliesenkunst an Wänden für ewig für mich mit Lissabon verbunden sein.

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Was aus meinen Fliesenfotos noch wurde, das kannst du ebenfalls auf meinem Blog nachlesen. Kleiner Tipp, es hat etwas mit Taschentüchern und meiner Arbeit zu tun …

Du möchtest mehr über Lissabon lesen und erfahren? Hier meine weiteren Beiträge zu dieser tollen Stadt:

  1. Urlaub Lissabon: Unter 200 Euro ein perfektes Wochenende
  2. Lissabon: Eine Stadt, die gerne zitiert
  3. Vorweihnachtszeit in Lissabon
  4. Altstadt Lissabon – mit dem Aufzug auf Erkundungstour
  5. Lissabon Urlaub: Wenig Budget, viel Erlebnis
  6. Essen und Trinken in Lissabon

Hast du schon einmal Lissabon besucht? Haben dir die Fliesen auch so gut gefallen? Welche Ziele mit tollen Fliesendesigns kannst du noch empfehlen?

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14 Kommentare

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  • Azulejos sind cool!
    Ich denke immer, wie die Leute wohl gucken würden, wenn mitten zwischen den Hamburger Rotklinker-Blöcken ein fliesenverziertes Haus stehen würde… ;-)

    LG
    Henning

  • Hallo Tanja,

    durch diesen Artikel war ich gedanklich gleich wieder zurück in Lissabon.
    Wenn ich an die Stadt denke, sind die wundervollen Azulejos ganz vorne dabei.
    Ich habe sie geliebt, sie waren überall und doch irgendwie wieder anders. Wir haben im Stadtteil Alfama gewohnt und gerade da wimmelt es an jeder Ecke von den tollen Fliesen. Ganz toll fand ich an dem Platz gegenüber des Fadomuseums ein Fliesengebilde, wo der Stadtteil Alfama aufgezeichnet war.
    Danke für die tolle Zusammenfassung.

    Liebe Grüße,
    Tanja

    • Hallo Tanja,

      wie schön, dass mir das damit gelungen ist. Die Fliesen machen wohl ganz viel vom Zauber dieser Stadt auf, schön zu lesen, dass es damit nicht nur mir so geht :-)

      Ich glaube, dass Fliesengebilde kenne ich gar nicht. Aber ist ja immer gut, etwas für den Wiederbesuch zu haben.

      Viele Grüße
      Tanja

  • Hallo liebe Tanja,

    ich bin gerade bei der Recherche für meinen Lissabon Beitrag auf diesen Beitrag gestoßen. Bei den Keywords „lissabon baukunst fliesen“ stehst du auf Platz zwei, so nebenbei. :)
    Wie dem auch sei, dein Beitrag hat mir echt geholfen und du hast tolle Aufnahmen von den Fliesen gemacht. Durch Alfama bin ich vor allem mit dem Cable Car gefahren, deswegen war die Gelegenheit für Fotos nicht so da.
    Hast du dich auch eher auf den zweiten Blick in Lissabon verliebt?

    Liebe Grüße
    Anna

    • Hallo Anna,

      als ob ich einen Plan von Architektur hätte, herrlich wofür man ranken kann :-)

      Die Fliesen mochte ich allerdings wirklich sehr. Das Kompliment geht auch an meinen Freund, der wie ich ein Narren daran gefressen hat.

      Ich war nur zwei Nächte in Lissabon, muss aber sagen, da war es sofortige Liebe :-)

      Was hat bei dir die Liebe auf den zweiten Blick ausgelöst?

      Ganz lieben Dank auch für die Verlinkung!

      Viele Grüße
      Tanja

      • Hallo Tanja,
        der Stadtteil um Martim Muniz und der Weg vom Flughafen dorthin zur Unterkunft war einfach nicht soo schön anzusehen, Ich war nicht darauf vorbereitet, dass die Häuser in so einem schlechten Zustand sind. Später habe ich es dann verstanden, bzw. mehr von Lissabon gesehen, mich wohler gefühlt und irgendetwas gespürt, das mich happy gemacht hat. Ich kann es auch nicht erklären. Es war vielleicht einfach, weil ich das erste Mal ohne Plan losgeflogen bin. :D Ich war auch nur eine Nacht länger dort, aber ich habe es sogar nach Cascais geschafft, ohne dass meine Freundin und ich uns gestresst hätten. Wir können das ganz gut, das zusammen reisen ohne Sights abhaken. :)
        Reist du eigentlich manchmal alleine?
        Liebe Grüße
        Anna

        • Hallo Anna,

          in der Ecke bin ich glaube ich gar nicht vorbei gekommen. Cascais mache ich beim nächsten Mal auch :-)

          Ich reise eigentlich nie allein. Ich mag den Austausch mit Menschen :-) Das würde mir fehlen, auch wenn man sicher neue Leute trifft, aber irgendwie hab ich da nie so viel Wert drauf gelegt.

          Alles Liebe
          Tanja

    • Hallo Paleica,

      oh ja, ich liebe das auch sehr. Jetzt hab ich gleich Sehnsucht, wenn ich wieder an Lissabon denke!

      Liebe Grüße
      Tanja

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